Taijiquan,

auch Tai Chi Chuan genannt, ist eine chinesische Kampfkunst, die heutzutage von mehreren Millionen Menschen weltweit praktiziert wird und damit zu den am häufigsten geübten Kampfkünsten zählt. Langsame und fließende Bewegungen sind typisch für das Taiji, welches frei übersetzt das „erhabene Letzte“ bedeutet. Taiji ist ein Bewegungssystem der Meditation, der Selbstverteidigung und der Erhaltung der Gesundheit. Körpergerechte Haltung, bewusstes Umgehen mit inneren Spannungszuständen, korrekte Atmung, Sensibilisierung energetischer Prozesse werden hier geübt und vertieft. Schon lange ist es erwiesen, dass das regelmäßige Taiji -Praktizieren unter anderem die Gesundheit erhält und fördert, den Blutdruck senkt, die Muskeln und die Knochen stärkt und zu einer zufriedenen und ruhigen inneren Einstellung führt. Die Legende erzählt von dem Mönch Chang San-Feng aus dem 12. Jahrhundert, der einen Kampf zwischen einer Schlange und einen Kranich beobachtet hat. Die Beobachtung lehrte ihn, wie das Weiche das Harte besiegt und ersann daraus die „innere Kampfkunst“.
Der Begründer des heute bekannten Taijiquan wird Chen Wang Ting (1597 -1644) zugeschrieben, der Chen-Stil gilt als ältester Stil. Die Chen Familie gab das Wissen nur innerhalb der Familie weiter, bis Chen Chang Hsing einen gewissen Yang Lu Chan als Schüler aufnahm, den Begründer des heutigen weltweit populären Yang-Stils. Yang Lu Chan veränderte die Bewegungsabfolgen des Chen-Taiji und ersann eine eigene Form. Der Yang-Stil besticht durch seine fließenden Bewegungen, seiner runden Bewegungsabfolgen und der für den Europäischen Raum einfacher zu erkennenden Yin und Yang Prinzipien. 1955 entstand eine kurze Taiji-Form mit
24 Bewegungsbildern, die sogenannte Peking Form. Es ist eine vereinfachte Bewegungsabfolge, die aber den gleichen Prinzipien aller anderen Formen entspricht. Im Zentrum des Übens steht die „Form“, klar umschriebene Abläufe aufeinander folgender Bewegungen. Die Formen stellen dabei oft den Kampf gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner dar, daher stammt auch die inzwischen selten verwendete Bezeichnung „chinesisches Schattenboxen“ für das Taijiquan. Eine Form setzt sich aus mehreren Bildern (Einzelbewegungen) zusammen, die in ihrer Abfolge festgelegt sind. Die Bilder tragen sehr unterschiedliche Namen, die die Anwendung der Bewegung betonen (beispielsweise „Fersenkick links“), oder den Charakter der Bewegung beschreiben (beispielsweise „einfache Peitsche“), oder die eher poetisch zu lesen sind (beispielsweise „der weiße Kranich breitet seine Flügel aus“ oder „die Mähne des Wildpferdes teilen“).